Luxemburg: Historische Villa Pétrusse wird am 16. Juni 2025 als Boutique-Hotel eröffnet

Eleganter Speisesaal mit kunstvollem Kronleuchter, klassischen Wandgemälden, großen Fenstern, runden Tischen und einem zentralen Etagerenständer mit Glaswaren und Blumen.

In der Stadt Luxemburg wird am 16. Juni 2025 ein traditionsreiches Gebäude als Hotel wiedereröffnet: die Villa Pétrusse. Ursprünglich Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und über Jahrzehnte weitgehend unbeachtet, wurde die ehemalige Villa Baldauff in den vergangenen fünf Jahren umfassend restauriert. Die Umwandlung in ein Boutique-Hotel ist Teil eines Vorhabens, das sich der Verbindung von Denkmalpflege, Gastlichkeit und zeitgemäßem Komfort verschrieben hat.

Die Villa liegt inmitten eines privaten, parkähnlich gestalteten Grundstücks am Fluss Pétrusse. Nur wenige Schritte vom historischen Zentrum entfernt, ist sie sowohl zentral als auch ruhig gelegen. Das neue Hotel umfasst 22 individuell gestaltete Zimmer, darunter drei Suiten und ein Penthouse. Die kleine Gästezahl soll laut Betreiber eine intime Atmosphäre ermöglichen.

Erhalt historischer Substanz mit Blick auf heutige Standards

Die Restaurierung der Villa Pétrusse wurde mit einem klaren Ziel begonnen: den ursprünglichen Charakter des späten 19. Jahrhunderts sichtbar zu machen und dauerhaft zu bewahren. Das Projekt ging weit über eine rein kosmetische Erneuerung hinaus. Es handelte sich um eine strukturierte Wiederherstellung eines denkmalgeschützten Bauwerks, dessen Details über Jahrzehnte hinweg teilweise beschädigt oder überdeckt worden waren. Die Eigentümer ließen dabei „handgemalte Tapeten, monumentale Kamine, kunstvolle Fresken und farbenprächtige Buntglasfenster“ vollständig erhalten und fachgerecht integrieren.

Die aufwendige Sanierung umfasste nicht nur Oberflächen und Dekoration. Auch die Statik, technische Infrastruktur und energetische Effizienz wurden überarbeitet. Neue Lüftungs- und Heizsysteme sowie modernste Sicherheitstechnik wurden installiert – sichtbar wurde davon jedoch bewusst nichts. Die modernen Einbauten treten hinter die historische Gestaltung zurück und lassen die ursprüngliche Wirkung des Raums unangetastet. Damit schafft die Villa ein Gleichgewicht zwischen baulicher Vergangenheit und funktionaler Gegenwart.

Ein modernes Badezimmer verfügt über eine freistehende Badewanne unter einem runden Fenster, einen Doppelwaschtisch und ein Dekor in neutralen Tönen mit einem kleinen Blumenarrangement neben der Badewanne.

Das Zusammenspiel aus originaler Handwerkskunst und heutiger Technik macht die Villa Pétrusse zu einem Beispiel für die sorgfältige Integration neuer Nutzungskonzepte in bestehende Substanz. Die Initiatoren bezeichnen das Projekt als „eine respektvolle, zugleich mutige Verbindung zwischen Vergangenheit und Zukunft“. Diese Haltung prägt nicht nur die Architektur, sondern auch den Umgang mit Materialien, Raumaufteilung und Lichtführung. Die historische Identität bleibt erhalten, ohne auf heutige Ansprüche zu verzichten – eine planerische Balance, die selten gelingt.

Innenarchitektur von Tristan Auer

Die Gestaltung der Innenräume übernahm der französische Designer Tristan Auer. Er setzte auf die Verbindung historischer Bausubstanz mit maßgefertigten Möbelstücken und einer auf das Gebäude abgestimmten Farb- und Materialwahl. Die Räume enthalten Reproduktionen von Werken des luxemburgischen Landschaftsmalers Sosthène Weis. Diese Auswahl knüpft direkt an die Geschichte des Hauses an, das Teil eines städtebaulichen Gesamtkonzepts war, das Weis zusammen mit dem Architekten Pierre Kemp und dem Landschaftsarchitekten Edouard André prägte.

Auer legte bei der Gestaltung Wert darauf, die Atmosphäre eines luxuriösen, aber unaufdringlichen Privathauses zu schaffen. Die Innenarchitektur soll laut Betreiber sowohl im öffentlichen Bereich als auch in den Gästezimmern eine klare Verbindung zur ursprünglichen Nutzung als Stadtvilla erkennen lassen.

Kulinarisches Angebot im Restaurant Le Lys

Ergänzt wird das Hotel durch ein eigenes Restaurant mit dem Namen Le Lys. Die Küche verantwortet Kim de Dood, ein Luxemburger, der zuvor in Asien tätig war. In Singapur war er im Restaurant Saint-Pierre tätig, das unter seiner Mitwirkung mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Mit seiner Rückkehr nach Luxemburg bringt er Einflüsse aus der internationalen Gastronomie mit, die er mit regionalen Produkten kombiniert.

Ein edler Teller mit einem Stück Fleisch, beträufelt mit Sauce und garniert, serviert mit einem kleinen Bündel Gemüse; Brot steht in einer Schüssel daneben.

Die Betreiber des Hotels bezeichnen das kulinarische Konzept als Verbindung von „traditioneller luxemburgischer Küche mit asiatischen Akzenten“. Ziel sei es, „ein ganzheitliches Erlebnis [zu schaffen], das Sinne und Seele gleichermaßen anspricht“. Das Restaurant ist nicht nur für Hotelgäste geöffnet, sondern richtet sich ausdrücklich auch an externe Besucher aus der Region.

Ein Ort mit kultureller Prägung

Die Villa Pétrusse steht in einem direkten Zusammenhang mit der städtebaulichen Entwicklung Luxemburgs im späten 19. Jahrhundert. Damals wurde unter der Mitwirkung von André, Kemp und Weis ein Konzept entwickelt, das Wohnen, Architektur und Gartenkunst in Einklang bringen sollte. Die Villa Baldauff war eines der zentralen Elemente dieses Vorhabens.

Mit der heutigen Nutzung als Hotel soll dieser kulturelle Kontext neu vermittelt werden. Die Betreiber verstehen das Haus als Ort, der historische Substanz nicht nur bewahrt, sondern öffentlich erlebbar macht. Veranstaltungen, kulinarische Angebote und individuell gestaltete Zimmer sollen dazu beitragen, die Geschichte des Hauses fortzuschreiben.

Zwischen Historie und Gegenwart

Die Villa Pétrusse versteht sich als Projekt, das der Vergangenheit ebenso verpflichtet ist wie der Gegenwart. Ihre Funktion als Boutique-Hotel baut auf dem architektonischen und kulturellen Erbe eines Bauwerks auf, das einst als Ausdruck städtebaulicher Innovation galt. Die heutige Nutzung schließt an diesen Anspruch an, ohne die Anforderungen moderner Gäste aus dem Blick zu verlieren. Die geringe Zimmeranzahl ermöglicht ein Höchstmaß an Privatsphäre und Ruhe. Gleichzeitig wird durch die detailgetreue Sanierung der historische Charakter des Hauses bewahrt.

Elegantes Wohnzimmer mit Blumentapete, beigem Sofa, rundem Couchtisch, Marmorkamin und hohem Fenster mit beigen Vorhängen, die natürliches Licht hereinlassen.

Die Verbindung von Architektur, Gestaltung und Kulinarik schafft ein Umfeld, das sowohl für Reisende mit Interesse an Geschichte als auch für designaffine Besucher relevant ist. Die zentrale Lage innerhalb der Hauptstadt erlaubt eine unmittelbare Nähe zu kulturellen Institutionen, Sehenswürdigkeiten und Einkaufsmöglichkeiten, während der angrenzende Park einen Rückzugsort bietet. Die Villa fungiert damit als Grenzraum zwischen urbanem Leben und privatem Rückzug – ein Ort, der sich diskret einfügt und dennoch als bewusste Wahl für einen Aufenthalt steht.

Durch ihre öffentlich zugänglichen Bereiche, darunter das Restaurant Le Lys, öffnet sich die Villa auch für Gäste aus der Region. Sie wird nicht nur als Beherbergungsbetrieb verstanden, sondern als Ort kultureller Teilhabe, der den Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf mehreren Ebenen ermöglicht. Die historische Substanz des Gebäudes bildet dabei das Fundament – nicht als Kulisse, sondern als Träger eines kontinuierlich fortgeschriebenen Narrativs.


Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.villapetrusse.lu/en/